Montagmorgen 10.00 Uhr in der Kindertagesstätte St. Michael Hoher Weg...
Jubelnde Kinder laufen aufgeregt auf dem Kita Flur hin und her.
„Sie sind da, sie sind da, – sie sind endlich da!!!
Grund dieser morgendlichen Aufregung: Unsere Teamworkerin Mareike mit ihren Hunden Boy, Rani, Gina, Pino und unserer Laska.
Alle 5 haben eine Mission, einen wichtigen Auftrag.
Sie sind Teil eines Projekts zur tiergestützten Pädagogik, das seit Februar 2010 in unserer Kita angeboten wird.
„Unter tiergestützter Pädagogik versteht man alle Maßnahmen, bei denen durch den gezielten Einsatz von Tieren positive Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten von Kindern erzielt werden soll.“
Die positive Wirkung von Tieren auf die kindliche Entwicklung ist seit langem bekannt:
Ø Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen
Ø Geduld, Zusammenarbeit, Konzentrationsfähigkeit steigen.
Ø Schüchterne Kinder gehen mehr aus sich heraus, wilde Kinder werden ruhiger
Ø Hunde haben einen positiven Effekt auf die Entwicklung von Motorik und Koordination
Ø In der Sprachförderung leisten Hunde positive Dienste.
Es war nicht schwer Teamworkerin Mareike von diesem tollen Projekt zu überzeugen.
Die erste Hürde war genommen - mit Mareike konnten wir eine erfahrene Hundetrainerin gewinnen – die unser Projekt unterstützen und mit leiten würde.
Als zweites musste nun eine sorgfältige Hundeauswahl getroffen werden (aber zum Glück verfügen Mareike und Petra über genügend Vierbeiner).
Gewissenhaft wurden die Tiertherapeuten also ausgewählt.
Boy, Rani, Gina, Pino und Laska brachten die richtigen Vorrausetzungen mit, die ein Therapiehund benötigt.
Ø Nervenstärke, Geduld, Erfahrungen mit Kindern
Ø Menschenbezogenheit und Führigkeit
Ø Freundliches Wesen- gerade Kindern gegenüber
Ø Hohe Toleranz- und Reizschwelle
Ø Hoher Ausbildungsstand
Nachdem drittens alle 5 den Wesenstest mit Bravour bestanden haben und die tierärztliche Kontrolle über sich haben ergehen lassen, waren unsere Co- Therapeuten bereit zum Einsatz.
Jetzt mussten viertens nur noch die Eltern der Kinder informiert und der Träger der Einrichtung mit ins Boot geholt werden.
Von allen Seiten bekamen wir grünes Licht und eine positive Resonanz.
Es konnte endlich losgehen...
Am Anfang stand das Kennen lernen. Unsere freundlichen Vierbeiner besuchten die Kinder in den Gruppen.
Es sind Momente die einen berühren: der Blick aus strahlenden Kinderaugen trifft auf einen seelenvollen Hundblick, vorsichtig kleine tastende Hände erforschen das glänzende Fell, die Hunde liegen ruhig und die Hunderute wedelt kurz vor Freude, die riesigen Pfoten werden bestaunt und betastet, die großen Zähne können schon Angst machen .
Aber Angst brauchen die Kinder vor diesen Hunden wirklich nicht zu haben.
Ein Blick zu Mareike – wir sind stolz – stolz auf unsere Hunde, die genau zu wissen scheinen wie wichtig ihre Aufgabe hier ist und die im Vertrauen auf uns dies alles mit sich geschehen lassen.
Mutig lassen die Kinder Laska und Rani noch durch ihre Beine krabbeln und spielen noch etwas verstecken mit ihnen. Alle haben einen Heidenspaß!
Zum Schluss verteilen die Hunde auch Gastgeschenke – Bonbons für die Kinder, die sie in ihre stolz getragenen Packtaschen dabei haben.
Ein erster, schöner Arbeitstag unserer Co- Therapeuten geht zu Ende.
Therapiehunde tragen keine weißen Kittel und bekommen keine horrenden Honorare. Sie nähern sich unvoreingenommen und akzeptieren die Kinder wie sie sind. Sie vermitteln Nähe und Geborgenheit. Sie lernen den Kindern was es heißt Verantwortung zu übernehmen. Mit einem Hund können sie Freundschaft erfahren, die sie nicht nach gesellschaftlichen Normen bewertet. Ein Hund wird sie nie auslachen, kränken oder ärgern.
Neben den positiven Wirkungen auf Körper und Seele, trägt die tiergestützte Therapie noch zur Sicherheit der Kinder bei.
Insbesondere auf dem Schulweg und beim unbeaufsichtigten Spielen können Gefahren lauern. Kinder können durch die falsche Reaktion auf Hunde (z.B. spontanes Streicheln, ängstliches Weglaufen) in gefährliche Situationen geraten. In unserem Projekt wird den Kindern der richtige Umgang mit Hunden, vor allem fremden Hunden, nahegebracht.
Die beiden Extreme – übergroße Angst oder überschwängliches Liebkosen – werden durch wichtige Verhaltensregeln abgebaut und durch Respekt und Verständnis ersetzt.
Nach den ersten 4 Monaten können wir ein positives Fazit ziehen:
Mit viel Zeit und Geduld haben wir es geschafft, bei zwei Kindern extreme Ängste abzubauen.
Jeremy und Leon sind mittlerweile in der Lage bei Begegnungen mit fremden Hunden angemessen zu reagieren. Im Kindergarten streicheln die beiden Jungs die Hunde, geben ihnen Leckerchen und gehen mit ihnen in Begleitung eines Erwachsenen auf der Wiese spazieren.
Weitere 6 Kinder waren bereits nach dieser kurzen Zeit in der Lage den Hunden wichtige Grundkommandos zu geben und ihre Körpersprache zu deuten.
Ihr neu erworbenes Hundefachwissen konnten die stolzen Kinder auf unserem diesjährigen Sommerfest Eltern und Besucher präsentieren.
Unsere Kinderteamworker liefen selbstsicher mit Boy, Rani, Gina, Pino und Laska einen von Mareike aufgebauten Hindernisparcours.
Zum Abschluss überreichte Mareike den Kindern auf dem Fest den bestandenen Hundeführerschein, der ihnen vermittelt, dass sie nun ein Wissen über Hunde erworben haben auf das sie zu Recht stolz sein dürfen.
Stolz sind wir aber auch auf Boy, Rani, Gina, Pino und Laska, die uns darin bestätigt haben, wie wertvoll es ist mit Kindern und Hunden zu arbeiten und die für jede Situation den richtigen Riecher hatten. Sie haben im Sturm 75 kleine Herzen erobert, die den nächsten Besuch ihrer Hunde gar nicht mehr erwarten können.
Wir hatten alle viel Spaß bei der Arbeit und die Hundebesuche sind mittlerweile ein fester Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit.
Unser Projekt wird weitergehen und so werden noch viele Kinder der Kita St. Michael Hoher Weg den positiven und richtigen Umgang mit Hunden kennen lernen.
Es bleibt zu wünschen, dass auch noch in andere Kitas die positive Wirkung der tiergestützten Therapie Anklang finden wird.
Wir stehen mit unserem Hundeteam bereit..
Gib einem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.
Im Namen der Kita Hoher Weg
Birgit Klasen